Oh je, wir haben Holland vergessen!

Es ist ganz genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Monatelang haben wir nur gewartet. Zum Beispiel darauf, dass jemand die Wohnung wirklich erst ab Februar mieten möchte („Können du nicht jetzt ausziehen? Wir Wohnung sofort nehmen.“). Dann ging es an die Recherchen. Da wir als Familie und mit einem geplanten Aufenthalt von anderthalb Jahren unter keine der Regelungen fallen, die gemeinnütziges Engagement vereinfacht möglich machen sollen, begaben wir uns mit Buschmesser aber ohne Kompass in den Behördendschungel. Okay, ich gebe zu, Versicherungen gehören auch dazu.
Krankenkasse, Familienversicherung, genaue Berufsbezeichnung (auszuwählen aus einer Liste von 24.000 Berufen, ohne erklärende Beschreibung was zum Beispiel der Unterschied zwischen Sozialarbeiter Assistent und Assistenz soziale Arbeit ist), Niedriglohn statt Minijob?, Übungsleiterpauschale (so nennt sich das, was Freiwilligen als Taschengeld ausgezahlt werden darf), Steuerklassen ändern, Reisepass für Janosch aktualisieren, GEZ abmelden (war schon bei Manuels Umzug nach Essen ein mehrjähriges Unterfangen, weil die Verbrecherbande, wie mein Vater sie nennt, einfach nicht glaubt, dass man nach der Heirat zusammen zieht und nicht einen gemeinsamen zusätzlichen Wohnsitz hat). Selbstverständlich muss man sich bei jeder Entscheidung über die nächsten drei Schritte im Klaren sein, weil ja die Berufsbezeichnung relevant sein könnte für das Visum oder den Antrag auf Feststellung einer Entsendung. Dafür wiederum braucht man eine Tropentauglichkeitsbescheinigung. Selbstverständlich heißt die nicht so sondern G35-Untersuchung, ist ja vollkommen logisch. Genauso vernünftig ist, dass nur Angestellte tropentauglich sein müssen – Freiwillige oder mitreisende Kinder natürlich nicht.

Gut, genug Urwald abgeholzt… Immerhin haben wir die Impfungen schon seit Monaten hinter uns. Wenn wir jetzt noch schaffen, die Visa-Anträge ohne Bremsstreifen auszudrucken, die Indische Botschaft nicht merkt, dass in der Liste der Länder, die wir in den letzten zehn Jahren bereist haben, Holland fehlt, die Post unsere Reisepässe nicht verliert und Ende Februar ausnahmsweise mal kein Flughafen-Personal streikt, sind wir schon so gut wie weg.
Wirklich! Der Rest ist ein Kinderspiel. Wir haben unsere Traum-Zwischenmieter gefunden und teilen unseren Besitz in „bis Indien“, „für Indien“ und „danach“ ein. Dritte Kategorie wandert bereits in Kisten – adé Eleganz des Igels, Tintenherz, unsittliche Kleidung (wie Trägerkleidchen, T-Shirts die nur bis zum Gürtel reichen und kurze Hosen), adé Motorradhelm und rote Pumps. Was wir nicht jetzt schon vermissen wird gleich verschenkt.