Ich muss verrückt sein, so zu leben!

Als „Ich muss verrückt sein, so zu leben!“ 2007 in Deutschland erschien, dachte ich, dieses Buch kann mein Leben verändern – aber nicht jetzt. Ich hab den Kopf dafür nicht frei, fand ich und stellte es zurück ins Regal. Ich hoffte, dass Shane Claibourne mit seinen Herausforderungen irgendwann in mein Leben passen würde. Drei Jahre später erfüllte Gott mir diesen Wunsch. Er nahm meinen Mann und mich und unser bis dahin ziemlich bequemes Leben, stellte es auf den Kopf, rüttelte einmal kräftig und wartete ab, was geschah…

Das Ergebnis war, dass Manuel und ich begannen, ernsthaft nach einem tieferen Sinn in unserem Leben zu fragen. Wir hatten immer gedacht, Gott sei mit unseren Lebensplänen im Wesentlichen einverstanden. Es war schmerzhaft, zu erkennen, dass wir uns da möglicherweise geirrt hatten. Aber es brachte uns auch dazu, zu erkennen, wie sehr sich unsere Wünsche für die Zukunft auf uns selbst bezogen hatten. Das war der Punkt, an dem ein neuer Wunsch in uns keimte: Gottes Spuren im Leben von anderen hinterlassen. Scheinbar waren wir damit auf der richtigen Spur, denn auf einmal fing Gott an, uns in einen ganz neuen Plan einzuweihen.
Wir hatten keine Ahnung worauf die Geschichte hinauslaufen sollte. Also baten wir Gott, unsere Herzen so zu verändern, dass wir bereit wären, wann und was immer er vorhatte. Als die ersten Veränderungen spürbar wurden, fielen mir Shane und seine Experimente wieder ein. Ich lieh mir das Buch von einer Freundin und zerlas es regelrecht. Immer wieder legte ich es mit Tränen in den Augen beiseite, beschämt davon wie oberflächlich ich viele Jahre als Christ gelebt hatte und bestätigt in meiner Sehnsucht, es anders hinzubekommen.

Ich war bloß ein weiterer gläubiger Christ. Ich hab die ganz korrekten Sachen geglaubt – dass Jesus Gottes Sohn ist, dass er gestorben war und von den Toten auferstanden. Ich war ein „Glaubender“ geworden, aber von Nachfolge hatte ich keinen Schimmer. Man hatte mir beigebracht, was Christen glauben, aber niemand hatte mir gesagt, wie Christen leben.“*

Nur Jesus war verrückt genug zu sagen, dass man, um der Größte zu werden, der Geringste werden muss. Nur Jesus verkündete, dass die Armen von Gott gesegnet sind, und nicht die Reichen. Nur er würde darauf bestehen, dass es nicht ausreicht, nur seine Freunde zu lieben. Ich fragte mich allmählich, ob wirklich noch irgendwer daran glaubte, dass es Jesus mit dem, was er sagte, ernst gewesen war. Wenn wir einfach mal Pause machen und uns fragen würden: „Was wäre, wenn er es wirklich ernst gemeint hätte?“ Die ganze Welt könnte so auf den Kopf gestellt werden. Dass Christen so normal geworden waren, war ein Armutszeugnis.“**

Shane macht sich auf die Suche nach Leuten, die nicht studieren oder diskutieren was Jesus gesagt hat, sondern es einfach tun. Er kommt dabei quer durch Amerika, bis in den Nahen und Fernen Osten und findet diese Menschen an den ungewöhnlichsten Orten.

Ich will ganz ehrlich sein. Das Abenteuer auf das wir uns hier einlassen, ist bei weitem kein Zeugnis davon, wie viel wir begriffen haben. Vielmehr ist es eine Krücke, weil wir spüren, dass wir hier, von der gemütlichen roten Couch aus, auf der ich gerade sitze, nie und nimmer den Mut aufbringen werden, das zu tun, was Jesus gemeint hat. Wer mir das nicht glaubt, sollte bei unserer nächsten Begegnung nicht nach unseren Indien-Plänen fragen sondern danach, was wir in den letzten zwei Jahren sonst noch auf die Reihe gekriegt haben. Wie vielen Obdachlosen ein Bett und etwas zu Essen gegeben? Für wen waren wir da, der nicht zum Freundes- und Familienkreis gehört?
Ich weiß nicht, wozu genau Gott diese Geschichte eingefädelt hat. Momentan bin ich mir nur sicher, dass es in Delhi für uns weit mehr zu lernen, als zu geben gibt. Ich hoffe sehr, dass wir endlich lernen, wirklich zu geben.

 

* Shane Claibourne, Ich muss verrückt sein, so zu leben, S. 37
** Shane Claibourne, Ich muss verrückt sein, so zu leben, S. 39

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